Melchior
Ludolf Herold wirkte in der Zeit von 1780 bis 1810 in Hoinkhausen.
Geboren wurde er am 10.12.1753 in Rüthen. Seine Eltern waren Kaspar-Adam,
Legaladvokat und kurfürstli-cher Gerichtsschreiber, und Kasparina,
geb. Sperber.
Melchior war das dritte von sieben Kindern. Sein älterer Bruder trug den Namen Kaspar An-ton, sein jüngerer Bruder den Namen Balthasar Felix. Das Schicksal wollte es, dass die drei Brüder entsprechend ihrer Namen auch ihre Berufe nach den Gaben der heiligen drei Könige wählten. Kaspar wurde ein reicher Kaufmann in Amsterdam (Gold), Melchior wurde Priester (Weihrauch) und Balthasar wurde Apotheker (Myrrhe).
Als junger Priester kam Melchior
im Jahre 1780 im Alter von 27 Jahren nach Hoinkhausen. Die Leute waren
arm und die Schulausbildung der Kinder lag im Argen. Obwohl man ihm blankes
Misstrauen entgegen brachte, machte sich Herold an die Arbeit. Zunächst
wurde der verwilderte Garten des Pfarrhauses auf Vordermann gebraucht und
das Pfarrhaus wurde renoviert; alles auf eigene Kosten. Da er ein überaus
großer Kinderfreund war, der für die Kleinen alles hingab, ja,
in Zeiten der Hungersnot lieber selbst darbte, als dass es den Kin-dern
entzogen wurde, eroberte er sich das allgemeine Vertrauen der Gemeinde
und konnte nun, nachdem er festen Boden unter sich fühlte, an die
so nötigen Reformen denken.
Das Schulwesen lag ihm besonders
am Herzen. Er trennte zunächst im Jahre 1784 die Knaben von den Mädchen.
In der Jungfer Christine Pellmann aus Bentheim fand er eine vorzüg-liche
Lehrerin und stellte die Knabenschule dadurch auf eigene Füße
und verband sie mit der Schulvikarie.
Im Jahre 1786, als in Westfalen
noch niemand an dergleichen dachte, führte er die Industrie-schule
ein. Er schaffte alle Materialien und Gerätschaften auf seine Kosten
an, arbeitete, ohne Aufhebens davon zu machen, längere Jahre still
in dieser neuen Weise fort und legte dann das praktische Resultat der,
im Jahre 1797 in Arnsberg neu errichteten, Schulkommis-sion in Form einer
tabellarischen Übersicht vor: 423 Handschuhe und Stauchen, 1218 neue
Strümpfe, 1254 angestrickte Strümpfe, 388 Schürzen, Mützen
und Kappen, 363 Hemden, 125 Kissenbezüge, Bett- und Tischtücher,
288 Servietten, Hals- und Taschentücher, 884 Stück Steide, Hasenhaar
und Baumwolle. Alles in allem einen Wert von 908 Reichstalern.
Die Herren der Schulkommission waren voller Begeisterung, sodaß die Einführung der In-dustrie in allen Schulen des Herzogtums Westfalen mit Nachdruck betrieben wurde. Herolds Verdienst aber bleibt es, den Grund zu der nun erblühenden allgemeinen Landesindustrie des Herzogtums gelegt zu haben.
Interessant ist es zu sehen,
was fortan alles von den Kindern in Westfalen gefertigt wurde. Über
die von den Schulen gelieferten Industrieprodukte erschienen jährlich
gedruckte Tabel-len, worin sie unter folgenden Rubriken zusammengestellt
wurden:

Pfarrer Melchor Ludolf
Herold verstarb, nach zweijährigem qualvollen Leiden aufgrund eines
Schlaganfalls, den er im Jahre 1808 erlitt, am 31.08.1810 in Hoinkhausen.
Hier liegt er auch begraben.
Weitere Ausführungen über den Pfarrer Melchior Ludolf Herold, auch über die Herausgabe des „Herold’schen Gesangbuches“, bietet das „Westfälische Magazin“ Nr. 11 vom 10. September 1910, dass anlässlich seines 100. Todestages herausgegeben wurde. Es kann beim Förderverein zum Preis von 6 Euro erworben werden.
(Text von Ulrich Grun, Rüthen)